Mit dementen Menschen zum Arzt

Arztbesuche gehören zu den Ereignissen,
die viele Menschen mit Demenz ängstigen

Wie wir alle müssen auch Menschen mit einer demenziellen Erkrankung unabhängig von ihrer Demenz gelegentlich oder regelmässig zum Arzt wie zu Zahnärzten, Hals-Nasen-Ohrenärzte und nicht zu vergessen zu Augenärzte. Und häufig ist so ein Arztbesuch mit viel Aufregung für alle Beteiligten verbunden.

Mögliche Probleme die auftreten können
  • Die demente Person versteht den Grund und Sinn des Arztbesuches nicht.
  • Die Praxis als fremde Umgebung und unbekannte Menschen im Wartezimmer und beim Praxispersonal machen möglicherweise Angst.
  • Schlechte Gefühle, Geräusche oder Erinnerungen können z.B. beim Zahnarzt auftauchen.
  • Anweisungen durch das Praxispersonal werden nicht verstanden, die Behandlung und Voruntersuchung wie beim Augenarzt ist langwierig, oder verursacht unter Umständen weitere Schmerzen.
  • Der Begleiterin ist es unangenehm/peinlich, wenn sich der an Erkrankte etwa im Wartezimmer ‚komisch‘ verhält oder die Behandlung verweigert.
  • Das Praxispersonal steht oft unter einem hohen zeitlichen Druck. Menschen, die dann den Ablauf ‚stören‘, stossen unter Umständen auf wenig Verständnis.
  • Ärzte und Praxismitarbeiter haben wenig Wissen und Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Demenz.
So könnte es besser gehen
  • Kündigen Sie den Arztbesuch nicht zu früh an.
  • Begleiterin/Begleiter suchen schon im Vorfeld des Termins das Gespräch mit den Angestellten / dem Arzt, um auf die besondere Situation hinzuweisen und so die Behandlungsdauer kurz zu halten.
  • Dinge für das Wartezimmer / Beschäftigung: etwas zum Knabbern, ein Buch zum Vorlesen oder Fotos mitnehmen.
  • Begleiten Sie den Patienten aus dem Behandlungsraum in andere Räume für weitere Untersuchungen oder Informationen.
  • Sorgen Sie für eine ruhige und entspannte Gesprächsatmosphäre.
  • Nutzen Sie Mimik und Körpersprache zur Unterstützung. Sprechen Sie in Anwesenheit des Patienten nicht über Ihn.
  • Warte- und Behandlungszeiten werden so kurz wie möglich gehalten.
  • Es werden nur notwendige Voruntersuchungen / Behandlungen durchgeführt, etwa zur Beseitigung von Schmerzen.

 

Demenz – wir müssen reden

Sprachleitfaden Demenz

Der Sprachleitfaden Demenz wirbt für einen achtsamen Sprachgebrauch im Umgang mit Menschen, die mit kognitiver Beeinträchtigung leben und damit zurechtkommen müssen. Denn oft wird gerade über Menschen mit Demenz – anstatt mit Menschen – in wenig rücksichtsvoller, ja sogar abfälliger Weise gesprochen.

Dokument Sprachleitfaden Demenz
Dokument Sprachleitfaden Demenz

 

 

 

 

 

 

Er  soll für mehr Sensibilität in der Sprache werben, und damit der Stigmatisierung von Demenz entgegenwirken.

 

 

 

In einem Meinungsaustausch wurden Menschen mit Demenz als Einzelpersonen oder in Gruppen zu dem ‚Ratgeber‘ befragt. Dies waren unter anderem der Beirat „Leben mit Demenz“ in Deutschland, die Arbeitsgruppe „Impuls Alzheimer“ in der Schweiz und die Selbsthilfegruppe von Menschen mit Demenz in Luxemburg.

DADO

Unter dem Dach der Deutschsprachigen Alzheimer- und Demenz-Organisationen haben sich die nationalen Organisationen aus Belgien, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Schweiz sowie der autonomen italienischen Provinz Südtirol zu einer Kooperation zusammengeschlossen.

 

Filme über Demenz

Von der Doku über den Spielfilm bis hin zum Animationsfilm

Wer nimmt uns ernst, wenn der Mensch, der wir einst waren, sich immer weiter entfernt? – aus ‚Still Alice‘ 

Romys Salon

ROMYS SALON ist ein gelungener Spielfilm zum Thema #Demenz. Alzheimer aus der Kinderperspektive nach dem Buch von Tamara Bos.

Er zeigt den allmählichen Verlauf der Krankheit in realistischer Weise mit Lichtblicken und Augenblicken besonderer Verwirrung. Romy und ihre Oma Stine werden zu Verbündeten im Umgang mit den Herausforderungen des Alltags und die Beziehung zwischen den beiden wächst dabei. Der Film ist frei von unnötigen Übertreibungen. Er berührt,‑ lässt an manchen Stellen schmunzeln und ist nicht nur für Kinder ausgesprochen sehenswert.“  – Susanna Saxl, Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Das innere Leuchten – The Inner Light


Dokumentarfilm 2019 von Stefan Sick.

‚Das innere Leuchten‘ beobachtet den Lebensalltag von Demenzkranken in einer Pflegeeinrichtung auf Situationen und Begegnungen wie: beim Musizieren, Ballspielen, Lesen oder im einfachen Gespräch. Dabei versucht der Film auf poetische Weise Ängste im Umgang mit Demenzkranken zu reduzieren und die Menschlichkeit jedes Einzelnen zu fördern. Traurigkeit, Heiterkeit und Nachdenklichkeit sprechen für sich.  – Demenzkranke bleiben trotz ihres Leidens menschliche Wesen, die Aufmerksamkeit verdient haben.

Grandios gespielte Romanverfilmung

Julianne Moore als Dr. Alice Howland in dem Drama ‚Still Alice‘  (2014).

Mit Anfang 50 bemerkt die Linguistin Dr. Alice Howland erste Veränderungen an sich. Sie hat Schwierigkeiten bei der Orientierung und vergisst während einzelne Begriffe. Daraufhin lässt sie sich in einer Klinik testen… ‚Still‘ Alice‘ basiert auf dem gleichnamigen Roman der Neurowissenschaftlerin Lisa Genova. – Mit einer brillanten Julianne Moore (Oscar).

Der Besuch

Wenn Menschen alt werden…
Animationsfilm von Conrad Tambour. Prädikat  besonders wertvoll.

Die Kraft der Musik bei Menschen mit Demenz

Wie groß die Macht der Musik ist, zeigt der beeindruckende Dokumentarfilm Alive Inside von Michael Rossato-Bennett. Im Mittelpunkt der Doku steht der Sozialarbeiter Dan Cohen, Gründer der gemeinnützigen Organisation ‚Music & Memory‚. Er  setzt sich u.a für den Einsatz von musikalischen Therapieformen ein. – Prämiert beim Sundance Film Festival 2014.

Emotionaler spanischer Zeichentrickfilm

In Wrinkles geht es um eine Gruppe von Pflegeheimbewohnern,
die sich liebevoll um den an Alzheimer erkrankten Neuzugang Emilio kümmern. – ‚Wrinkles‘ von Ignacio Ferreras de Zumarraga (2012), basiert auf einem mehrfach preisgekrönten Comic.

Ein wunderbar, liebevolles Familienporträt

Interview mit dem Filmemacher David Sieveking zu Vergiss mein nicht, Dokumentarfilm aus dem Jahr 2012. Er hat das Zusammenleben mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter mit der Kamera einfühlsam und wunderbar festgehalten. – Kleines Kunstwerk!

 

Zukunft – Digitale Welt und Demenz

Digitale Technik zur Verbesserung des Alltags
von älteren Menschen und Menschen mit Demenz

Apps gegen Einsamkeit, zur Alzheimer-Diagnose, Portale für die Vermittlung von Pflegekräften, für Angehörige pflegebedürftiger Menschen und dem Personal in Altersheimen, um miteinander in Kontakt zu treten…

Beispiel: ‚PflegeCoDe‚ – App zur Unterstützung von Menschen mit Demenz

Virtuelle Realität 

Mit sognannte VR-Brillen können Demenz-Patienten virtuellen Zeitreisen in frühere Jahre unternehmen. Diese Reisen in die Vergangenheit wecken die Aufmerksamkeit der Menschen mit Demenz. Auch bei der Erinnerungsarbeit werden sie angewendet.

Menschen mit Demenz  erkennen ihre Angehörige wieder mittels KI

Neben den  Vorteilen werfen diese technischen Möglichkeiten neue, ethische Fragen auf, vor allem in Bezug auf Privatsphäre und Datenschutz. Dürfen wir ihnen eine falsche Realität vorspielen? Dürfen wir Menschen mit Demenz ohne ihr Wissen rund um die Uhr überwachen?

Diese neuen Systeme werden sich in Zukunft durchsetzen und sicher auch viel Gutes bringen. Es kommt darauf an das Miteinander von Begleitung, Betreuung, Pflege und Digitalisierung zu gestalten. Im Interesse von Menschen. Wichtig: ältere Menschen und Menschen mit Demenz in die Entwicklung einzubinden.

Weitere Projekte, Hilfsmittel zur Unterstützung von Angehörigen und Betreuungspersonen von Menschen mit Demenz

  • QuartrBack, schafft eine Notfallkette, die Menschen mit Demenz einen Zugang zum bisher vertrauten Quartier und damit soziale Teilhabe erhält
  • Die Tovertafel von Active Cues, zur Unterhaltung und Aktivierung
  • DEA-App, eine App zur Unterstützung von versorgenden Angehörigen und Betreuungspersonen von Menschen mit Demenz
  • Delta – KI-App, für die Früherkennung von Demenz
  • Das Qwiek.up, schafft ein audiovisuelles Erlebnis für Senior*innen

     

 

Zahn- und Mundpflege bei Demenzkranken

Zahnpflege ist in jedem Alter wichtig
Eine schlechte Zahnpflege und Mundhygiene hat nicht nur Auswirkungen auf die Zähne, sondern auf den gesamten Körper. Besonders ältere und pflegebedürftige Menschen sind gefährdet, da sie häufig die eigene Zahnpflege nur ungenügend oder gar nicht selbst durchführen können.

Teepa Snow, Fachfrau für Demenz und Pflege

Selbstständige Dentalhygiene bei Menschen mit Demenz
Menschen mit Demenz vergessen manchmal, was sie eigentlich tun wollten und schränken somit das Verständnis fürs Zähne putzen eventuell ein.

Zahnbehandlung braucht Geduld
Service vor Ort für Menschen mit Demenz
Dazu findet sich in der aktuellen ‚auguste‚ von Alzheimer Schweiz ein sehr guter Artikel plus einem sehr anschaulichen Video!

Prämierte mobile Arbeit für ältere Menschen in Pflegeheimen
Die Alterszahnmedizinerin Claudia Ramm und ihre zahnmedizinische Fachassistentin Maren Kropf-Nimtz haben ein Konzept entwickelt mit dem sie die Patienten mit Demenz besser einschätzen können.
Der Artikel: ‚Demenz-Kranke: Zahnbehandlung braucht Geduld‘
ist nachzulesen unter NDR, Schleswig-Holstein-Magazin

Und was hat das Zahnfleisch mit Alzheimer zu tun?
Ein Bakterium, das Zahn- und Zahnfleischerkrankungen verursacht, könnte auch eine Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielen. Das hat ein internationales Forscherteam herausgefunden.

 

Seltene Krankheit: Demenz bei Kindern

Kinderdemenz

Was versteht man unter der Krankheit NCL? NCL steht für ‚Neuronale Ceroid Lipofuszinose‘, vereinfacht wird diese Krankheit als Kinderdemenz bezeichnet. Ursache für NCL ist ein kaputtes Gen – warum manche Gene nicht vollständig sind oder defekt, weiss niemand.

Kaum jemand kennt NCL – auch Mediziner nicht

Die Diagnose bedeutet einen schweren Schicksalseinbruch, der viele Eltern unvorbereitet trifft. Problem: eine folgenschwere Erkrankung, die auch oft zu lange unerkannt bleibt. Die Konsequenz: viele Fehldiagnosen und eine Diagnosezeit von ca. 22 Monaten in Deutschland. Mit einer üblichen Genanalyse kann NCL recht schnell und einfach diagnostiziert werden.

NCL-Stiftung – Für eine Zukunft ohne Kinderdemenz.

 

‚Unser Leben ist, wie es ist‘

Lesenswerter Artikel in ‚wireltern‚ über die Eltern Nicole und Bernhard  Roth und deren Zwillinge Mattia und Elias, die an NCL 2 erkrankt sind. Sie erzählen vom intensiven Leben mit ihren Kindern und der unaufhaltsamen Reise in den Tod.

Wenn Kinder keine Zukunft haben

Beitrag  des NDR vom 14.12.2018 (ein Klick auf das Foto und Sie gelangen zum Video-Beitrag)

Kinderdemenz

 

 

 

 

 

 

Ein Enzym soll Sara helfen, die an einer Krankheit leidet,
die der Demenz ähnelt

Die achtjährige Sara aus München gehört dazu. Sie ist eine von wenigen Patienten, die sich einer neuen, besonderen Behandlungsmethode unterziehen. Beitrag von Spiegel.TV

Spiegel.TV-Beitrag

 

 

 

Kindern Demenz erklären

Sensibilisieren und das Miteinander der Generationen stärken

Die Krankheit Demenz betrifft immer mehr ältere Menschen. Und wenn die Eltern im Alter dement werden, kann das schockierend sein.
Nicht nur für Söhne und Töchter, sondern auch für die Enkel, denn oft sind in einer Familie Oma und Opa wichtige Bezugspersonen für Kinder. Hier wiederum kommt den Eltern eine wichtige Rolle zu: Sie sollten Vermittler sein und ihren Kindern die Krankheit erklären.

Und wie sage ich es meinen Kindern?
Für Kinder gibt es spezielle Bücher, Spiele und Internetseiten.
Projekt Kidzeln:  KIDZELN – Was ist das? Eine Spielmodulreihe für Kinder im Kindergartenalter.

Medien
‚Heutzutage erleben immer mehr Kinder, wie ihre Gross- oder Urgrosseltern an Demenz erkranken. Wird ihnen die Krankheit nicht richtig erklärt, kann das Krankheitsbild bei Kindern schnell Irritationen und Ängste auslösen‘, heisst es z.B. auf der Internetseite ‚Was hat Oma?‚.

Bücher
Anna Herrmann hat auf ihrer Website ‚Kinderbuch-Detektive‚ eine wunderbare Liste mit besprochenen, kindgerechten und empfehlenswerten Büchern zusammengestellt.

Kinderbücher über Demenz und Alzheimer

 

 

 


Artikel
Der Tagesspiegel‚ zu dem anrührenden Bilderbuch ‚Mein Andersopa‘ von Rolf Barth. Illustrationen: Daniela Bunge.

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